Warum das Mikrobiom im Winter so wichtig ist: die Grundlage des Immunsystems

Expertenratgeber für Besitzer von (beginnend) ekzemanfälligen Pferden, Aufbauprotokoll für das Frühjahr.

Sommerekzem scheint ein Problem des Frühlings und Sommers zu sein: Sobald die ersten Insekten auftauchen, nehmen Juckreiz, Unruhe und Scheuern zu. Dennoch wird die Überreaktion des Körpers selten erst im April oder Mai festgestellt. Was Sie im Winter tun, spielt eine Rolle. Nicht weil der Winter per Definition eine Risikosaison ist, sondern weil dies oft die Zeit ist, in der Sie Ruhe und Zeit haben, um die Grundlagen zu stärken: Darmflora, Darmbarriere und Immunbalance.

In diesem Expertenleitfaden betrachten wir klinisch den Mechanismus hinter diesem Fundament. Sie erhalten Einblicke in die Rolle von kurzkettigen Fettsäuren (SCFAs) mit besonderem Augenmerk auf Butyrat und erhalten ein praktisches Aufbauprotokoll, das Sie bis zum Frühjahr anwenden können. Keine harten Behauptungen, sondern ein fundierter Weg, der in der Praxis bei ekzemanfälligen Pferden oft sinnvoll ist.

Bei schweren oder anhaltenden Beschwerden (wie lang anhaltendem Durchfall, Gewichtsverlust, Schmerzsignalen oder heftigen Entzündungsreaktionen): Konsultieren Sie immer Ihren Tierarzt.

Was ist die Darmflora bei Pferden und warum ist sie bei Sommerekzem relevant?

Die Darmflora, auch Mikrobiom genannt, ist die Gesamtheit aller Mikroorganismen im Magen-Darm-Trakt. Bei Pferden spielt vor allem der Hinterdarm, bestehend aus Blinddarm und Dickdarm, eine wichtige Rolle: Dort wird Raufutter fermentiert. Dieser Prozess liefert Energie, aber auch Stoffe, die direkt mit der Darmwand und dem Immunsystem kommunizieren.

Bei einem zu Ekzemen neigenden Pferd ist dies relevant, da Sommerekzeme selten nur „ein Hautproblem” sind. Es handelt sich um eine Immunreaktion auf Reize wie Insektenspeichel. Das Ausmaß, in dem der Körper ruhig oder stark reagiert, hängt oft mit dem gesamten Reizhaushalt im ganzen Körper zusammen. Die Darmbarriere, die Entzündungsanfälligkeit und die Immunregulation spielen dabei als Risikofaktoren eine Rolle.

SCFAs (kurzkettige Fettsäuren): das biochemische Ergebnis eines gesunden Dickdarms

Wenn das Mikrobiom Ballaststoffe und Restkohlenhydrate fermentiert, entstehen kurzkettige Fettsäuren (SCFAs), insbesondere Acetat, Propionat und Butyrat. SCFAs sind für unser Pferd keine Nebenprodukte, sondern funktionelle Nährstoffe: Sie sind sowohl Brennstoff als auch Signalstoffe für den Darm und das Immunsystem.

Genau deshalb bedeutet „gesunde Darmflora“ mehr als nur „keine Durchfälle“. Es geht um eine stabile Fermentation, die die Darmwand nährt und ein Umfeld schafft, in dem das Immunsystem normal funktionieren kann.

Butyrat (Buttersäure) und die Darmbarriere: Energie für Darmzellen und Ruhe in der Darmwand

Butyrat findet in der Literatur große Beachtung, da es mehrere Bereiche gleichzeitig betrifft. Zunächst einmal als Energiequelle für unser Pferd und für die Darmwandzellen. Darmwandzellen erneuern sich schnell und haben einen hohen Energiebedarf; bei anderen Tierarten wird Butyrat als wichtiger Brennstoff für Kolonozyten beschrieben und mit einer gut funktionierenden Darmschleimhaut in Verbindung gebracht.

Darüber hinaus steht Butyrat in engem Zusammenhang mit der Barrierefunktion der Darmwand. Eine gut schließende Barriere bedeutet, dass das Immunsystem weniger oft unnötig durch Komponenten gereizt wird, die im Darm bleiben sollten, wie beispielsweise schädliche Bakterien. In der Praxis sieht man bei Pferden mit einem empfindlichen Darm oft, dass alles zusammenhängt: Miststabilität, Bauchkomfort, Stressreaktivität und Haut-/Fellzustand. Es handelt sich dabei nicht um eine 1:1-Beziehung, aber um ein Muster, das man bei der präventiven Gesundheitsvorsorge ernst nehmen sollte.

Darmflora und Immunsystem: Warum Ausgewogenheit wichtig ist

Der größte Teil des Immunsystems, bis zu 80 %, steht in Kontakt mit dem Darm. Über den Darm gelangt täglich das meiste hinein, wie z. B. Ballaststoffe, Zucker, Bakterienfragmente und Stresssignale über das Nervensystem. SCFAs werden in der immunologischen Literatur als wichtig für den Schutz der Darmbarriere und die Regulierung von Immunreaktionen beschrieben.

Für zu Ekzemen neigende Pferde bedeutet dies nicht, dass „Juckreiz verhindert wird“, sondern dass eine gut funktionierende Darmflora dazu beitragen kann, dass der Körper bei zunehmender äußerer Belastung weniger schnell in einen überreizten Zustand gerät.

Aufbau bis zum Frühjahr: Warum Sie im Winter beginnen sollten

Im Frühjahr kommt es oft zu mehreren Veränderungen gleichzeitig: Insektenbefall, Weidegang, manchmal andere Futterrationen und mehr Training. Bei einem empfindlichen Pferd kann diese Häufung das Gleichgewicht stören. Ein präventiver Ansatz funktioniert daher am besten, wenn Sie rechtzeitig vor dieser Häufung beginnen, damit das System bereits ruhiger läuft, wenn die Saison wechselt.

Protokoll: Unterstützung der Darmflora bei zu Ekzemen neigenden Pferden (6–10 Wochen)

Dieses Protokoll ist bewusst praktisch und handlungsorientiert. Betrachten Sie es als einen Wegweiser.

Phase 1 (Woche 0–2): Stabilisieren Sie das Fundament

Sie beginnen mit Vorhersehbarkeit. Das Mikrobiom liebt Regelmäßigkeit, und gerade bei zu Ekzemen neigenden Pferden sieht man oft, dass Schwankungen beim Raufutter, bei den Fütterungszeiten, beim Kraftfutter oder Stress zu Schwankungen beim Kot und beim Wohlbefinden führen.

In dieser Phase gestalten Sie die Futterration so konsistent wie möglich: Gutes Raufutter steht im Mittelpunkt. Eventuelle Änderungen führen wir langsam ein und wir achten kritisch auf schnelle Kohlenhydrate, die den Dickdarm belasten können. Gleichzeitig erstellen Sie eine Nullmessung. Nicht mit einer Tabelle, sondern mit einfachen Beobachtungen: Wie stabil ist der Mist, wie oft sehen Sie Mistwasser, wie fühlt sich der Bauch Ihres Pferdes an (auch bei Stress oder Training) und wie ist die allgemeine Haut- und Fellqualität?

Phase 2 (Woche 2–10): gezielte Unterstützung mit Happy Belly Solid (Calciumbutyrat)

Wenn die Basis ruhiger ist, fügen Sie gezielte Unterstützung hinzu. Happy Belly Solid ist ein Präbiotikum auf Basis von Calciumbutyrat: einer Verbindung aus Buttersäure (Butyrat) und Calcium. Buttersäure ist eine kurzkettige Fettsäure und bekannt als Energiequelle für Darmzellen und zur Unterstützung der normalen Darmfunktion. In der Literatur wird Butyrat außerdem mit der Barrierefunktion und der Immunmodulation in Verbindung gebracht.

In der Praxis eignet sich dieser Ansatz häufig für Pferde mit wechselnder Kot- oder Kotwasserqualität, Pferde, die empfindlich auf Futter oder Stress reagieren, Pferde mit einer Antibiotikageschichte und Pferde, die zu Ekzemen neigen und sich präventiv auf den Frühling vorbereiten möchten. Auch bei älteren Pferden kann eine Unterstützung der Darmfunktion und Verdauung sinnvoll sein, insbesondere in Zeiten, in denen der Körper viele Veränderungen durchläuft (z. B. beim Fellwechsel).

In dieser Phase ist es wichtig, dass Sie die Wirkung messbar halten. Wählen Sie ein oder zwei feste Signale, die Sie zuverlässig verfolgen können, wie z. B. Miststabilität und Bauchkomfort. Haut und Fell können Sie als unterstützende Messgröße verwenden, aber erwarten Sie davon im Winter nicht immer einen spektakulären „Vorher-Nachher“-Effekt.

Die Kraft von Happy Belly

Happy Belly Solid wirkt in der Praxis gerade deshalb so gezielt, weil das Calciumbutyrat beschichtet ist. Diese Beschichtung ist kein Detail, sondern wesentlich: Ohne Schutz würde ein Teil der Buttersäure bereits früh im Magen-Darm-Trakt freigesetzt werden und dort weniger wirksam sein, wo man sie letztendlich haben möchte. Durch die Schutzschicht kann das Produkt den Magen besser passieren und gelangt in den (Dick-)Darm, wo Butyrat die Darmzellen ernähren und die Darmwand („Barriere“) unterstützen soll. Diese Beschichtung ist sogar im Produkt selbst zu erkennen: Es handelt sich um kleine, gut erkennbare Granulate/Körnchen. Damit liefern Sie also nicht einfach „irgendetwas für den Darm”, sondern einen Wirkstoff, der so konzipiert ist, dass er an der richtigen Stelle seine unterstützende Rolle spielt.

Phase 3 (Woche 6–10): Evaluieren und Feinabstimmen

Wenn Sie nur geringe Veränderungen feststellen, sollten Sie nicht sofort mit zusätzlichen Ergänzungsfuttermitteln nachlegen. Überprüfen Sie zunächst systematisch, ob die Grundlagen wirklich stimmen: Raufutterqualität, (versteckte) Stärkebelastung, Kaufunktion/Gebiss, Wurmbefall und Stressquellen. Bleibt der Mist auffällig oder gibt es deutliche Schmerzsignale, ist es ratsam, eine Diagnose durch Ihren Tierarzt in Betracht zu ziehen, anstatt endlos mit Nahrungsergänzungsmitteln nachzubessern.

Die 3 aussagekräftigsten Messpunkte

Um dieses Protokoll praktikabel zu halten, sind dies die drei Beobachtungen, die in der Praxis am meisten Orientierung bieten:

  1. Güllequalität: Konsistenz und Güllewasser
  2. Bauchkomfort und Verhalten: Ruhe, Empfindlichkeit in Bezug auf Futter/Training/Stress
  3. Allgemeiner Zustand von Haut und Fell: Glanz, Schuppenbildung, Fellqualität

Fazit: Darmflora als vorbeugende Grundlage für die Ekzem-Saison

Ein gesundes Mikrobiom produziert SCFAs, wobei Butyrat eine Schlüsselrolle spielt, da es die Darmzellen ernährt, die Barrierefunktion unterstützt und zur Regulierung der Immunabläufe beiträgt. Bei zu Ekzemen neigenden Pferden ist es sinnvoll, im Winter oder frühen Frühjahr mit dem Aufbau zu beginnen: So kann präventiv an der Basis gearbeitet werden, bevor die äußeren Reize der Jahreszeit zunehmen.

Möchten Sie gemeinsam mit uns herausfinden, welcher Schritt am besten zu Ihrem Pferd und Ihrer Futterration passt? Kontaktieren Sie uns gerne für eine persönliche Beratung.

 

 

 

Literatur

  1. Chakraborty P, Laird AS. Verständnis der Wirkung von Butyrat auf zellulärer Ebene. Neural Regeneration Research (PMC). https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11759013/ 1
  2. Review. Aus der Mikrobiota stammende kurzkettige Fettsäuren: Ihre Rolle und Mechanismen bei der Regulierung der Immunantwort während Infektionen. ScienceDirect-Eintrag. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0753332223002020 2
  3. Leduc L, Costa M, Leclère M. Die Mikrobiota und Asthma bei Pferden: Eine integrative Betrachtung der Darm-Lungen-Achse. Animals (Basel) 2024 (PMC). https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10812655/ 3
  4. Li C et al. Multiomische Analyse verschiedener Pferderassen zeigt, dass Butyrat aus dem Darmmikrobiom die sportliche Leistung von Rennpferden verbessert. npj Biofilms and Microbiomes 2025 (PMC). https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12102227/
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